Das Wichtigste in Kürze

  • 6,3 % Arbeitslosenquote — und trotzdem Fachkräftemangel: Die Arbeitslosigkeit erreichte 2025 mit 6,3 % den höchsten Stand seit 2013, gleichzeitig existierten 1,26 Mio. offene Stellen (Q4/2025). Der Grund ist ein Profil-Mismatch.
  • 157 offizielle Engpassberufe: Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe — vor allem auf Fachkraftebene mit dualer Ausbildung.
  • Pflege, Handwerk, IT und Ingenieure am gefragtesten: Bis zu 500.000 fehlende Pflegekräfte bis 2035, 109.000 offene IT-Stellen und 99.470 offene Ingenieurstellen prägen die gefragten Berufe.
  • 246 Tage längste Vakanzzeit: Anlagenmechaniker SHK bleiben im Schnitt 246 Tage unbesetzt — die längste gemessene Vakanzzeit aller Hauptberufe.
  • Neue Wachstumsjobs: KI, Cybersecurity, Nachhaltigkeit: KI-Stellentitel gab es 2026 viermal so oft wie 2022; Cybersecurity wächst um ca. 15 % jährlich.
  • Weiterbildung ist der zentrale Hebel: Wer sich in Richtung Engpassberuf qualifiziert, hat deutlich bessere Chancen — oft AVGS-gefördert und kostenlos.

Welche gefragten Jobs gibt es aktuell in Deutschland, wenn gleichzeitig überall von Stellenabbau die Rede ist? Der deutsche Stellenmarkt 2025/2026 wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Die Arbeitslosenquote stieg 2025 im Jahresdurchschnitt auf 6,3 % — den höchsten Wert seit 2013 —, und dennoch blieben 1,26 Millionen Stellen offen. Wer sich beruflich orientieren will, braucht deshalb keine pauschale Krisenstimmung, sondern eine saubere Übersicht darüber, wo tatsächlich Personal gesucht wird.

Dieser Ratgeber ordnet die belegten Zahlen des Arbeitsmarkts Deutschland ein, erklärt das Paradoxon aus hoher Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel und benennt konkret die gefragten Branchen und Berufe — von Pflege über IT bis zum Handwerk. Sie erfahren, wie lange Stellen unbesetzt bleiben, was die einzelnen Berufe zahlen und welche Berufe mit Zukunft gerade neu entstehen.

Deutscher Stellenmarkt 2025/2026: die Gesamtlage auf einen Blick

Um zu verstehen, welche gefragten Jobs aktuell den Markt prägen, lohnt zunächst ein Blick auf das große Bild. Der Arbeitsmarkt Deutschland hat sich 2025 spürbar eingetrübt: Laut Jahresrückblick der Bundesagentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2025 bei 6,3 Prozent — ein Anstieg um 0,3 Prozentpunkte gegenüber 2024 und der höchste Stand seit 2013. Im Schnitt waren 2,948 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, 161.000 mehr als im Vorjahr. Im Januar 2026 überschritt die Arbeitslosenzahl erstmals seit fast elf Jahren wieder die Marke von drei Millionen.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagniert

Parallel dazu verliert die Beschäftigung an Schwung. Von Juni 2024 auf Juni 2025 nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung noch um 48.000 auf 34,89 Millionen zu — im Januar 2026 lag sie mit 34,75 Millionen aber bereits 72.000 unter dem Vorjahreswert. Bemerkenswert ist die Verschiebung dahinter: Die Teilzeitbeschäftigung wuchs, während die Vollzeitbeschäftigung sank. Der Jobmarkt Deutschland schafft also weiterhin Stellen, verteilt Arbeit aber zunehmend auf kürzere Wochenzeiten.

1,26 Millionen offene Stellen — aber weniger als vor einem Jahr

Trotz aller Abkühlung bleibt die Nachfrage nach Personal hoch. Im vierten Quartal 2025 gab es bundesweit 1,26 Millionen offene Stellen — 22 Prozent mehr als im Vorquartal, aber 10 Prozent bzw. 146.100 weniger als ein Jahr zuvor. Rund 80 Prozent dieser Stellen waren sofort zu besetzen. Diese Zweiteilung erklärt, warum Stellenangebote aktuell und Arbeitslosigkeit zugleich steigen können.

Ausschreibungen brechen ein — Wachstum nur in Nischen

Die Dynamik hat dennoch deutlich nachgelassen. Laut Indeed Hiring Lab (Juli 2026) verzeichneten nur noch 6 von 38 Berufsgruppen überhaupt ein Wachstum bei den Stellenausschreibungen. Insgesamt sind die Online-Ausschreibungen seit dem Rekordhoch im Frühjahr 2022 um 39 Prozent eingebrochen. Für Ihre Jobsuche Deutschland heißt das: Nicht mehr jede Branche stellt breit ein — umso wichtiger ist es, gezielt dort anzusetzen, wo die Nachfrage strukturell hoch bleibt. Genau diese Felder schauen wir uns in den folgenden Abschnitten im Detail an.

Das Paradoxon: mehr Arbeitslose, trotzdem Fachkräftemangel

Wie passt es zusammen, dass fast drei Millionen Menschen arbeitslos sind und Betriebe trotzdem händeringend suchen? Die Antwort liegt im sogenannten Profil-Mismatch: Die Qualifikationen vieler Arbeitsloser passen nicht zu den Anforderungen der offenen Stellen. Ein arbeitsloser Verkäufer wird nicht automatisch zur gesuchten Pflegefachkraft, und ein freigesetzter Industriemitarbeiter deckt nicht ohne Weiteres den Bedarf an SHK-Monteuren. Der Fachkräftemangel Deutschland ist damit kein reines Mengenproblem, sondern ein strukturelles Passungsproblem.

391.000 fehlende qualifizierte Kräfte

Die Größenordnung ist erheblich. Laut IW Köln fehlten im Juni 2025 bundesweit 391.000 qualifizierte Arbeitskräfte — rechnerisch konnte jede dritte offene Stelle nicht passend besetzt werden. Der KOFA-Fachkräftereport zählte bereits im März 2025 über 387.000 nicht besetzbare Stellen für qualifizierte Kräfte. Immerhin: Die Fachkräftelücke schrumpfte im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 17,9 Prozent — ein Effekt der schwächeren Konjunktur, nicht einer plötzlich besseren Passung.

36 Prozent der Betriebe können Stellen nicht besetzen

Auch aus Unternehmenssicht ist der Engpass real. Der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 zeigt: 36 Prozent der rund 22.000 befragten Betriebe können offene Stellen nicht besetzen. Im Tiefbau sind es sogar 62 Prozent. Das Verhältnis von Arbeitslosen zu offenen Stellen stieg im zweiten Quartal 2025 auf 2,8 — mit deutlichen regionalen Unterschieden: In Ostdeutschland kamen 367 Arbeitslose auf 100 offene Stellen, in Westdeutschland 258.

49 Milliarden Euro Wertschöpfungsverlust

Volkswirtschaftlich schlägt der Mangel spürbar zu Buche: Der jährliche Wertschöpfungsverlust durch den Fachkräftemangel Deutschland wird auf 49 Milliarden Euro geschätzt — rund 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für Sie als Jobsuchende bedeutet dieses Paradoxon vor allem eines: Chancen liegen dort, wo Ihr Profil zur Nachfrage passt. Wer sich in Richtung eines gefragten Berufsfelds entwickelt, verbessert seine Position deutlich. Ein beruflicher Neustart ist in diesem Umfeld kein Rückschritt, sondern oft der direkteste Weg zu einer sicheren Stelle.

Orientierung finden

Passt Ihr Profil zu den gefragten Berufen?

In einem kostenlosen Orientierungscoaching klären wir gemeinsam, welche Ihrer Kompetenzen auf dem aktuellen Arbeitsmarkt gefragt sind — und welcher Weg für Sie realistisch ist.

Orientierungscoaching entdecken

Was ist ein Engpassberuf — und wie wird er gemessen?

Der Begriff Engpassberuf taucht in fast jeder Debatte über gefragte Berufe auf. Dahinter steckt eine klare, methodische Definition der Bundesagentur für Arbeit. Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen: Die Vakanzzeit — also die Zeit, die eine Stelle offen bleibt — liegt mehr als 40 Prozent über dem Durchschnitt, und rechnerisch kommen weniger als 2,5 Arbeitslose auf eine offene Stelle. Erst wenn beides zutrifft, spricht die Statistik von einem echten Engpass.

157 Engpassberufe in der Analyse 2025

Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit zählt aktuell 157 Engpassberufe. Zum Vergleich: 2024 waren es 163, 2023 sogar 183. Die Zahl sinkt also — was nicht auf eine gelöste Fachkräftefrage hindeutet, sondern auf die konjunkturell schwächere Nachfrage. Zusätzlich stehen 161 weitere Berufsgattungen unter Beobachtung, weil sie sich einem Engpass annähern. Von rund 1.200 bewerteten Berufen ist damit grob jeder achte ein Engpassberuf.

Vor allem die Fachkraftebene ist betroffen

Die Engpässe konzentrieren sich auf Berufe mit dualer Ausbildung. Es sind nicht in erster Linie die akademischen Spitzenpositionen, die unbesetzt bleiben, sondern die solide ausgebildete Fachkraftebene — Pflegefachkräfte, Elektroniker, Anlagenmechaniker, Erzieher. Das ist eine gute Nachricht für alle, die über eine Ausbildung, Umschulung oder gezielte Qualifizierung nachdenken: Der Bedarf liegt genau dort, wo eine überschaubare Weiterbildung realistisch hinführt.

Auch das Gegenteil gibt es: Berufe ohne Engpass mehr

Interessant ist, wo Engpässe verschwunden sind. In der spanenden Metallbearbeitung, im IT-Vertrieb und in der klassischen Softwareentwicklung meldet die Analyse 2025 keine Engpässe mehr. Das zeigt, wie dynamisch sich aktuelle Jobtrends verschieben: Selbst ein lange als sicher geltendes Feld wie die Softwareentwicklung ist derzeit nicht mehr per Definition ein Mangelberuf. Wer sich orientiert, sollte deshalb nicht auf pauschale Bauchgefühle setzen, sondern auf die belegte Datenlage — die wir im nächsten Kapitel Berufsfeld für Berufsfeld aufschlüsseln.

Die gefragtesten Berufsfelder im Detail

Jetzt wird es konkret: Welche Jobs sind aktuell gefragt in Deutschland? Fünf Berufsfelder stechen aus der Datenlage klar hervor — Pflege und Gesundheit, IT und Cybersecurity, Ingenieurwesen, Handwerk sowie Bildung und Soziales. In diesen gefragten Branchen ist der Bedarf nicht konjunkturell, sondern strukturell und langfristig.

Pflege & Gesundheit: der größte Bedarf von allen

Kein Feld ist so dringend wie die Pflege. Laut Bertelsmann Stiftung fehlen bis 2035 bis zu 500.000 Pflegekräfte; die Destatis-Prognose reicht bis 2049 von 280.000 bis 690.000 fehlenden Kräften. Im zweiten Quartal 2026 wurden über 105.000 Kräfte in medizinischen Gesundheitsberufen gesucht. Bei den Stellenausschreibungen wuchsen laut Indeed Hiring Lab (Juli 2026) die Zahnmedizin um 25,3 Prozent, die Medizintechnik um 23,6 Prozent und die Therapieberufe um 3,6 Prozent — Wachstum gegen den allgemeinen Abwärtstrend.

IT & Cybersecurity: 109.000 offene Stellen

Auch die Digitalwirtschaft sucht weiter. Laut Bitkom 2025 gibt es rund 109.000 offene IT-Stellen — nach 149.000 zwei Jahre zuvor. 85 Prozent der IT-Unternehmen melden Fachkräftemangel, 79 Prozent erwarten eine künftige Verschärfung. Das IW Köln prognostiziert eine Lücke von 106.000 in Digitalisierungsberufen bis 2026. Innerhalb der IT verschieben sich die Schwerpunkte: Die klassische Softwareentwicklung ist kein Engpassberuf mehr, dafür wachsen Sicherheits- und KI-Profile dynamisch.

Ingenieure & Handwerk: Rückgrat der Energiewende

Der VDI-Ingenieurmonitor Q3/2025 zählt rund 99.470 offene Stellen in Ingenieurberufen. Allein für den Windenergie-Ausbau werden bis 2030 rund 35.000 zusätzliche Ingenieure benötigt. Im Handwerk sticht ein Beruf heraus: Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) mit über 12.000 unbesetzten Stellen und einer Vakanzzeit von 246 Tagen — der längsten aller Hauptberufe. SHK ist der Schlüsselberuf für den Wärmepumpenausbau, dessen Ziel bei 500.000 Wärmepumpen pro Jahr liegt.

Bildung & Soziales: über 100.000 fehlende Erzieher

Auch der soziale Sektor sucht stark. Über 100.000 Erzieher fehlen bundesweit, und die KMK-Prognose 2024 warnt vor bis zu 68.000 fehlenden Lehrkräften bis 2035 — besonders in MINT-Fächern, an Grundschulen und in der Sonderpädagogik. Die Branche wächst mit rund 4 Prozent jährlich. Wer einen sinnstiftenden, krisensicheren Beruf sucht, findet hier Jobs mit Zukunftsaussichten — und einen sehr zuverlässigen Arbeitgeber in Kommunen und öffentlichen Trägern.

Beruflich neu ausrichten

Quereinstieg in einen gefragten Beruf

Ob Pflege, IT oder Handwerk — ein Karrierecoaching hilft Ihnen, den Weg in ein gefragtes Berufsfeld zu planen und passende Fördermöglichkeiten zu nutzen.

Karrierecoaching ansehen

Neue Wachstumsjobs: KI, Cybersecurity und Nachhaltigkeit

Neben den etablierten Engpassberufen entsteht gerade eine neue Kategorie gefragter Jobs — getrieben von künstlicher Intelligenz, IT-Sicherheit und dem Umbau zur nachhaltigen Wirtschaft. Diese Felder sind teils so jung, dass sie in klassischen Statistiken noch kaum auftauchen, aber überdurchschnittlich schnell wachsen.

KI-Berufe: viermal so viele Stellentitel wie 2022

Der auffälligste Trend sind KI-Jobs. Im ersten Quartal 2026 wurden 288 spezifische KI-Stellentitel registriert — viermal so viele wie 2022. Besonders wichtig: 59 Prozent dieser Positionen finden sich außerhalb der klassischen Tech-Branche, etwa in Vertrieb, Personalwesen und Recht. KI wird damit zur Querschnittskompetenz, nicht zur Spezialistennische. KI-Entwickler:innen verdienen im Schnitt rund 62.500 Euro pro Jahr. Wie sich künstliche Intelligenz insgesamt auf Berufe auswirkt, welche verschwinden und welche entstehen, lesen Sie vertiefend in unserem Ratgeber zu KI und Arbeitsmarkt 2026.

Cybersecurity: +15 Prozent Wachstum pro Jahr

Die IT-Sicherheit ist ein zweiter starker Wachstumsmarkt. Cybersecurity-Berufe wachsen um rund 15 Prozent jährlich. Der BSI-Lagebericht 2025 nennt einen alarmierenden Grund: Jedes zweite Unternehmen in Deutschland wurde 2025 Opfer einer Cyberattacke. Der Bedarf an Sicherheitsfachleuten ist damit kein Luxus, sondern betriebliche Notwendigkeit. Entsprechend attraktiv ist die Vergütung: Cybersecurity-Expert:innen verdienen im Schnitt rund 71.500 Euro pro Jahr.

Nachhaltigkeit und öffentliche Verwaltung als stabile Anker

Ein dritter Trend ist die Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsberater:innen verdienen im Schnitt rund 70.000 Euro pro Jahr — ein Beleg dafür, dass Umwelt- und ESG-Kompetenz inzwischen gut bezahlt wird. Als stabiler Gegentrend zur allgemeinen Abkühlung erweist sich zudem die öffentliche Verwaltung: Sie ist eine der wenigen Branchen ohne Rückgang bei den Stellenangeboten gegenüber dem Vorjahr (Q2/2025). Wer Wert auf Sicherheit legt, findet hier verlässliche Berufe mit Zukunft. Der gemeinsame Nenner dieser Wachstumsfelder: digitale und methodische Zusatzkompetenzen. Wer sie aufbaut, macht sich branchenübergreifend attraktiv.

Digital fit werden

Digitale Kompetenzen gezielt aufbauen

KI-Grundlagen und digitale Werkzeuge werden in fast jeder Branche zum Vorteil. Im Coaching für digitale Kompetenzen bauen Sie genau diese Fähigkeiten praxisnah auf.

Digitale Kompetenzen

Vakanzzeiten: Wie lange bleiben Stellen unbesetzt?

Ein besonders aussagekräftiger Indikator für gefragte Jobs aktuell ist die Vakanzzeit — die Zeitspanne, die eine Stelle vom gewünschten Besetzungstermin bis zur tatsächlichen Besetzung offen bleibt. Je länger diese Zeit, desto schwerer findet der Betrieb passendes Personal — und desto besser stehen die Chancen für Bewerber:innen mit passendem Profil.

Rund vier Monate im Durchschnitt

Im Durchschnitt bleiben Stellen etwa vier Monate unbesetzt. Der DIHK nennt für Fachkraftstellen rund 173 Tage. Das ist deutlich mehr als in den Jahren vor dem verschärften Mangel und zeigt, wie schwer sich Betriebe bei bestimmten Profilen tun. Für Ihre Jobsuche Deutschland ist das eine wichtige Botschaft: Bei gefragten Berufen sitzt der Arbeitgeber oft nicht am längeren Hebel.

Je nach Qualifikationsniveau unterschiedlich

Die Vakanzzeiten unterscheiden sich klar nach Qualifikationsniveau. 2025 blieben Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung im Schnitt 183 Tage offen, für Spezialist:innen 157 Tage und für Expert:innen mit akademischem Abschluss 109 Tage. Bemerkenswert daran ist, dass gerade die Fachkraftebene — nicht die akademische Spitze — am schwersten zu besetzen ist. Das unterstreicht, warum eine solide Ausbildung oder Umschulung derzeit so wertvoll ist.

SHK, Pflege und Elektro als Extremfälle

In einzelnen Kernberufen erreichen die Vakanzzeiten Rekordwerte. Anlagenmechaniker SHK führen die Rangliste mit 246 Tagen an — der längsten gemessenen Vakanzzeit aller Hauptberufe. In Berufen wie Elektro und Pflege dauert die Besetzung oft 8 bis 10 Monate. Ein Beispiel: Wer eine Umschulung zur Pflegefachkraft abschließt, trifft auf einen Markt, in dem Arbeitgeber im Schnitt fast ein Dreivierteljahr suchen — die Verhandlungsposition ist entsprechend komfortabel. Wer diese Ausgangslage in Gehaltsverhandlungen souverän nutzt, kann seine Konditionen aktiv mitgestalten.

1,26 Mio.
Offene Stellen bundesweit (Q4/2025)
157
Engpassberufe (BA-Analyse 2025)
246 Tage
Längste Vakanzzeit: SHK-Monteur
391.000
Fehlende qualifizierte Kräfte (IW Köln, Juni 2025)

Gehälter: Was gefragte Berufe aktuell zahlen

Ein hoher Bedarf allein sagt noch nichts über die Bezahlung. Deshalb lohnt der Blick auf die belegten Gehaltsdaten — denn nicht jeder gefragte Beruf ist automatisch auch ein Spitzenverdiener. Die folgenden Mediangehälter stammen aus dem Stepstone Gehaltsreport 2025 und ordnen die gefragten Branchen ein.

Spitzenverdiener: Bank, Luftfahrt, Versicherung

An der Spitze der Branchen stehen das Bankwesen mit einem Mediangehalt von 70.250 Euro pro Jahr, die Luft- und Raumfahrt mit 68.000 Euro sowie das Versicherungswesen mit 66.500 Euro. Auch die Pharmaindustrie liegt mit 66.250 Euro weit oben. Diese Felder sind gut bezahlt, aber nicht durchweg Engpassberufe — Bedarf und Vergütung fallen also nicht immer zusammen.

Engpassberufe zahlen sehr unterschiedlich

Bei den stark gesuchten Berufen ist das Bild gemischt. Ingenieure verdienen im Median 58.500 Euro. Cybersecurity-Expert:innen kommen auf rund 71.500 Euro, KI-Entwickler:innen auf etwa 62.500 Euro und Nachhaltigkeitsberater:innen auf rund 70.000 Euro — die neuen Wachstumsfelder sind also durchaus attraktiv bezahlt. Deutlich niedriger liegt hingegen das Gesundheits- und Sozialwesen mit nur 41.750 Euro, obwohl der Bedarf dort am größten ist. Hotel und Gastronomie kommen auf 45.500 Euro. Dieser Gegensatz — höchster Bedarf, aber unterdurchschnittliche Bezahlung — ist einer der Gründe, warum der Pflegenotstand trotz enormer Nachfrage bestehen bleibt.

Zurückhaltung bei Neueinstellungen

Die Verhandlungslage bleibt zweischneidig. Laut Stepstone-Studie haben in den letzten Monaten nur 23 Prozent der Unternehmen mehr Einstellungen vorgenommen, und die Vakanzzahlen sinken über alle Branchen hinweg. Das heißt: Wer in einem echten Engpassberuf arbeitet, verhandelt weiterhin aus einer starken Position — wer sich außerhalb dieser Felder bewegt, trifft auf mehr Zurückhaltung. Ein realistischer Blick auf das eigene Zielgehalt und eine gute Vorbereitung sind deshalb 2026 wichtiger denn je.

Strukturelle Treiber: Demografie, Digitalisierung und Migration

Warum bleibt der Fachkräftemangel Deutschland auch in einer Konjunkturdelle bestehen? Weil die entscheidenden Ursachen strukturell sind und über den Konjunkturzyklus hinauswirken. Drei Kräfte prägen den Jobmarkt Deutschland nachhaltig: der demografische Wandel, die Digitalisierung und die Migration.

Demografie: 80.000 Renteneintritte pro Monat

Der wichtigste Treiber ist die Alterung. In Deutschland gehen rund 80.000 Menschen pro Monat in Rente — Tendenz steigend, weil die geburtenstarken Jahrgänge das Erwerbsalter verlassen. Gleichzeitig wächst die Gruppe der über 80-Jährigen bis 2040 um mehr als 50 Prozent. Das verschärft den Pflegebedarf doppelt: Es scheiden viele Fachkräfte aus, während die Zahl der Pflegebedürftigen stark zunimmt. Diese demografische Schere ist der Kern des dauerhaften Engpasses.

Digitalisierung erhöht die Nachfrage nach Tech-Profilen

Die Digitalisierung und der Vormarsch der künstlichen Intelligenz wirken in zwei Richtungen. Einerseits fallen Routineaufgaben weg, andererseits entsteht struktureller Bedarf an Tech-Profilen — von IT-Sicherheit über Datenanalyse bis zu KI-Anwendung. Weil 59 Prozent der neuen KI-Stellen außerhalb der Tech-Branche liegen, betrifft dieser Wandel praktisch alle Wirtschaftszweige. Digitale Kompetenz wird damit zur Grundvoraussetzung, nicht mehr zum Sonderfall.

Migration und längere Lebensarbeitszeit als Entlastung

Gegen den Mangel wirken vor allem zwei politische Hebel. Die Zuwanderung entlastet spürbar: Im Juni 2025 waren rund 420.000 Erwerbsmigranten in Deutschland beschäftigt — ein Plus von 110 Prozent seit 2020. Zusätzlich beschloss das Bundeskabinett im Oktober 2025 einen Aktivrenten-Plan, um erfahrene Fachkräfte länger im Beruf zu halten. Für Menschen, die aus dem Ausland kommen, ist eine gute Begleitung beim Berufseinstieg entscheidend — worauf es dabei ankommt, zeigt unser Ratgeber zum Jobcoaching für Einwanderer. Trotz dieser Entlastungen bleibt der grundlegende Befund bestehen: Der Bedarf an qualifizierten Kräften wird uns langfristig begleiten.

Ankommen im deutschen Arbeitsmarkt

Integrationscoaching für den Berufseinstieg

Sie sind zugewandert und wollen im deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen? Das Integrationscoaching begleitet Sie bei Anerkennung, Bewerbung und Orientierung.

Integrationscoaching

Ausblick und Handlungsempfehlungen für Ihre Jobsuche

Was folgt aus alldem für Ihre eigene Karriereplanung? Der Arbeitsmarkt aktuell belohnt gezieltes Vorgehen mehr als breites Streuen. Wer weiß, wo der Bedarf strukturell hoch ist, und seine Qualifikation danach ausrichtet, hat 2026 klar bessere Chancen — trotz der insgesamt eingetrübten Lage.

Qualifizierung ist der zentrale Hebel

Der wirksamste Ansatzpunkt ist Weiterbildung in Richtung Engpassberuf. Weil die Lücke vor allem auf der Fachkraftebene mit dualer Ausbildung besteht, führt eine überschaubare Umschulung oder Qualifizierung oft direkt in einen gefragten Beruf — etwa SHK, Pflege, Elektro, IT oder Pädagogik. Als AZAV-zertifizierter Bildungsträger begleitet die Reichweite Akademie Sie dabei mit AVGS-gefördertem Einzelcoaching. Wie eine geförderte Weiterbildung konkret abläuft, erklärt unser Ratgeber zum Bildungsgutschein 2026.

KI-Kenntnisse branchenübergreifend aufbauen

Unabhängig vom Zielberuf lohnt sich der Aufbau digitaler und KI-bezogener Kompetenzen. Weil ein Großteil der neuen KI-Stellen außerhalb der Tech-Branche entsteht, verbessern schon Grundkenntnisse Ihre Position in Vertrieb, Verwaltung, Personal oder Recht. Diese Zusatzqualifikation ist oft der Unterschied zwischen einer Bewerbung im Mittelfeld und einer, die auffällt.

Regionale Unterschiede beachten

Vergessen Sie die Region nicht. In Ostdeutschland kamen zuletzt 367 Arbeitslose auf 100 offene Stellen, in Westdeutschland 258 — die Ausgangslage unterscheidet sich also spürbar. Wer flexibel ist, findet in manchen Regionen deutlich mehr Auswahl. Ein durchdachter Lebenslauf und eine gute Vorbereitung auf digitale Auswahlverfahren erhöhen Ihre Trefferquote zusätzlich. Der beste erste Schritt bleibt jedoch die ehrliche Standortbestimmung: Welche Kompetenzen bringen Sie mit, wo liegt der Bedarf, und welcher Weg ist realistisch? Genau dabei unterstützt Sie ein persönliches Coaching — kostenlos, wenn Sie einen AVGS mitbringen.

Jetzt starten

Kostenloses Erstgespräch vereinbaren

Klären Sie unverbindlich, welcher gefragte Beruf zu Ihnen passt und wie Sie eine AVGS-geförderte Weiterbildung nutzen können. Wir beraten Sie persönlich.

Erstgespräch anfragen

Key Takeaway

Der deutsche Stellenmarkt ist gespalten: hohe Arbeitslosigkeit (6,3 %) und gleichzeitig 1,26 Millionen offene Stellen mit 157 Engpassberufen. Gefragte Jobs aktuell finden sich vor allem in Pflege, Handwerk, IT, Ingenieurwesen und Bildung — plus neue Wachstumsfelder wie KI und Cybersecurity. Wer sich gezielt in Richtung Engpassberuf qualifiziert, hat trotz Krisenstimmung ausgezeichnete Chancen.

Häufige Fragen

Am stärksten gefragt sind Berufe in Pflege und Gesundheit, im Handwerk (besonders Anlagenmechaniker SHK), in der IT und Cybersecurity, im Ingenieurwesen sowie in Bildung und Soziales. Dazu kommen neue Wachstumsfelder wie KI-Berufe und Nachhaltigkeitsberatung. Insgesamt zählt die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit 157 Engpassberufe, überwiegend auf der Fachkraftebene mit dualer Ausbildung.

Der größte Mangel besteht in der Pflege — bis 2035 fehlen laut Bertelsmann Stiftung bis zu 500.000 Pflegekräfte. Ebenfalls stark betroffen sind SHK-Monteure mit über 12.000 unbesetzten Stellen, die IT mit rund 109.000 offenen Stellen sowie Ingenieurberufe mit 99.470 offenen Stellen. Auch über 100.000 Erzieher fehlen bundesweit.

Der Grund ist ein Profil-Mismatch: Die Qualifikationen vieler Arbeitsloser passen nicht zu den Anforderungen der offenen Stellen. Laut IW Köln fehlten im Juni 2025 rund 391.000 qualifizierte Kräfte, und jede dritte offene Stelle konnte rechnerisch nicht passend besetzt werden. Deshalb steigen Arbeitslosigkeit und offene Stellen zugleich — der Mangel ist strukturell, nicht rein mengenbedingt.

Ein Engpassberuf liegt vor, wenn zwei Kriterien zugleich erfüllt sind: Die Vakanzzeit liegt mehr als 40 Prozent über dem Durchschnitt, und rechnerisch kommen weniger als 2,5 Arbeitslose auf eine offene Stelle. Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit zählt aktuell 157 solcher Berufe, 2024 waren es noch 163.

Im Durchschnitt bleiben Stellen rund vier Monate unbesetzt; der DIHK nennt für Fachkraftstellen etwa 173 Tage. Nach Qualifikationsniveau lag die Vakanzzeit 2025 bei 183 Tagen für Fachkräfte mit Ausbildung, 157 Tagen für Spezialist:innen und 109 Tagen für Akademiker:innen. In Engpassberufen wie SHK sind es sogar 246 Tage.

Innerhalb der IT verschieben sich die Schwerpunkte deutlich: Die klassische Softwareentwicklung und der IT-Vertrieb sind laut Analyse 2025 keine Engpassberufe mehr. Stark gefragt bleiben dagegen Cybersecurity-Fachleute — die Zahl der Stellen wächst um rund 15 Prozent jährlich — sowie KI-nahe Profile. Insgesamt melden 85 Prozent der IT-Unternehmen einen Fachkräftemangel.

Das hängt stark vom Feld ab. Cybersecurity-Expert:innen verdienen im Schnitt rund 71.500 Euro, Nachhaltigkeitsberater:innen etwa 70.000 Euro und KI-Entwickler:innen rund 62.500 Euro pro Jahr. Der Gesundheits- und Sozialsektor zahlt dagegen mit rund 41.750 Euro Median unterdurchschnittlich — trotz des höchsten Bedarfs. Ein Quereinstieg lohnt sich meist dann, wenn Bedarf und Vergütung zusammenpassen.

Laut Bertelsmann Stiftung fehlen bis 2035 bis zu 500.000 Pflegekräfte; die Destatis-Prognose reicht bis 2049 von 280.000 bis 690.000. Die Ursache ist demografisch: Rund 80.000 Menschen gehen monatlich in Rente, während die Gruppe der über 80-Jährigen bis 2040 um mehr als 50 Prozent wächst. Der Bedarf steigt also, während gleichzeitig viele Fachkräfte ausscheiden.

Im ersten Quartal 2026 wurden 288 spezifische KI-Stellentitel registriert — viermal so viele wie 2022. Besonders wichtig: 59 Prozent dieser Positionen liegen außerhalb der klassischen Tech-Branche, etwa in Vertrieb, Personalwesen und Recht. KI wird damit zur Querschnittskompetenz. KI-Entwickler:innen verdienen im Schnitt rund 62.500 Euro pro Jahr.

Ja, SHK ist einer der gefragtesten Berufe überhaupt. Laut KOFA (März 2025) gab es über 12.000 unbesetzte Stellen mit einer Vakanzzeit von 246 Tagen — der längsten gemessenen Zeit aller Hauptberufe. SHK ist der Schlüsselberuf für den Wärmepumpenausbau, dessen Ziel bei 500.000 Wärmepumpen pro Jahr liegt. Die Jobaussichten sind entsprechend ausgezeichnet.

Der demografische Wandel ist der wichtigste Treiber des Fachkräftemangels. Rund 80.000 Menschen gehen monatlich in Rente, und die geburtenstarken Jahrgänge verlassen das Erwerbsalter. Gleichzeitig steigt der Bedarf, etwa in der Pflege. Als Entlastung wirken die Zuwanderung — 420.000 Erwerbsmigranten im Juni 2025 — und der im Oktober 2025 beschlossene Aktivrenten-Plan.

Erzieher:innen und Lehrkräfte haben ausgezeichnete Aussichten: Über 100.000 Erzieher fehlen bundesweit, und laut KMK-Prognose 2024 könnten bis 2035 bis zu 68.000 Lehrkräfte fehlen — besonders in MINT-Fächern, an Grundschulen und in der Sonderpädagogik. Die Branche wächst um rund 4 Prozent jährlich und bietet mit öffentlichen Trägern sehr sichere Arbeitgeber.

Sie überlegen, sich beruflich neu auszurichten? Nutzen Sie unsere weiterführenden Ratgeber zur beruflichen Neuorientierung und zum Bildungsgutschein 2026. Als AZAV-zertifizierter Bildungsträger begleitet Sie die Reichweite Akademie mit AVGS-gefördertem Einzelcoaching auf dem Weg in einen gefragten Beruf.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesagentur für Arbeit: Jahresrückblick 2025
  2. Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025
  3. IAB-Forum: Zahl der offenen Stellen steigt stärker als saisonüblich (Q4/2025)
  4. IAB-Forum: IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf 2/2025
  5. Adecco: Engpassberufe 2026
  6. IQB Karrieremagazin: Fachkräftemangel in Deutschland (inkl. Bitkom 2025, VDI Q3/2025)
  7. Profiling Institut: 10 Berufe mit größtem Fachkräftemangel 2025
  8. Skill-Sprinters: Fachkräftemangel Deutschland 2026 (inkl. DIHK, BSI-Lagebericht 2025)
  9. Börse Express: Offene Stellen auf Fünfjahrestief (Indeed Hiring Lab Juli 2026)
  10. Stepstone: Gehaltsreport 2025
  11. Stepstone: Arbeitsmarkt Deutschland 2025
  12. Profiling Institut: Berufe mit Zukunftsaussichten 2026 (inkl. KMK-Prognose 2024)
  13. wirtschaftsradar.com: Fachkräftemangel in Deutschland
  14. Skill-Sprinters: Berufe mit Zukunft 2026
  15. karrieretutor.de: Der aktuelle Arbeitsmarkt in Deutschland

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Rechts- oder Sozialberatung. Rechtliche Regelungen können sich ändern; die hier dargestellten Angaben entsprechen dem Stand vom 3. August 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an die zuständige Stelle.