Das Wichtigste in Kürze

  • Ermessensleistung mit Ausnahme: Der AVGS nach § 45 SGB III ist grundsätzlich eine Ermessensleistung. Nur auf den AVGS-MPAV besteht ein Rechtsanspruch nach mindestens sechs Wochen ALG-I-Bezug (§ 45 Abs. 7 SGB III).
  • Der Begründungstext ist der Schlüssel: Ausgangslage, Vermittlungshemmnisse und Maßnahmeziel müssen konkret benannt werden — allgemeine Floskeln führen häufig zur Ablehnung.
  • Drei Varianten: AVGS-MAT (Coaching beim Träger, bis 8 Wochen), AVGS-MPAV (private Vermittlung) und AVGS-MAG (beim Arbeitgeber, 6–12 Wochen).
  • 100 % Kostenübernahme: Bei bewilligtem AVGS trägt die Bundesagentur für Arbeit bzw. das Jobcenter die Maßnahmekosten vollständig — vorausgesetzt, die Zustimmung liegt vor Teilnahmebeginn schriftlich vor.
  • Kein ALG-I-Bezug nötig: Auch ohne Arbeitslosengeld, in der Sperrzeit oder als angehender Gründer können Sie einen AVGS erhalten — entscheidend ist die arbeitssuchende Meldung.
  • Formulierungshilfe nutzen: Über unser Tool auf der Seite AVGS beantragen erhalten Sie Begründungstext, Angebot und Anleitung per Mail.

Wer einen AVGS beantragen möchte, stolpert schnell über eine Hürde, die im Gesetzestext gar nicht auftaucht: den Begründungstext. Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein nach § 45 SGB III ist eine Ermessensleistung — das heißt, Ihre Vermittlungsfachkraft entscheidet im Einzelfall, ob die Förderung bewilligt wird. Und diese Entscheidung fällt maßgeblich auf Basis dessen, wie überzeugend Sie Ihre Situation, Ihren Bedarf und Ihr Ziel darlegen.

Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den kompletten Antragsweg und legt den Schwerpunkt auf das, worauf es wirklich ankommt: einen Begründungstext, der den Arbeitsvermittler überzeugt. Sie erhalten eine Mustergliederung, konkrete Formulierungsbeispiele für Jobcoaching und Gründungscoaching sowie eine Übersicht der Fehler, die am häufigsten zur Ablehnung führen.

Was ist der AVGS? Definition und rechtliche Grundlage

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein — kurz AVGS — ist eine staatliche Förderleistung, mit der Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen kostenlos an Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung teilnehmen können. Dazu zählen unter anderem Jobcoaching, Bewerbungstraining und Existenzgründungsberatung. Wenn Sie einen AVGS beantragen, geht es also nicht um Geld, das Ihnen ausgezahlt wird, sondern um einen Gutschein, mit dem Sie ein konkretes Coaching bei einem zugelassenen Träger einlösen.

Gesetzliche Grundlage: § 45 SGB III

Rechtliche Basis ist § 45 SGB III (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 16.04.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 107). Für Bürgergeld-Beziehende kommt der Paragraf in Verbindung mit § 16 Abs. 1 SGB II zur Anwendung. Die Kernregelungen zum AVGS sind trotz der jüngsten Änderung inhaltlich stabil geblieben — Sie können sich also auf die etablierte Praxis verlassen.

Abgrenzung zum Bildungsgutschein

Der AVGS wird oft mit dem Bildungsgutschein verwechselt. Der Unterschied ist wichtig: Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III finanziert längere berufliche Weiterbildungen mit Abschluss oder Zertifikat, während der AVGS auf kürzere, aktivierende Maßnahmen wie Coaching und Vermittlung zielt. Auch die Trägerzulassung unterscheidet sich — Maßnahmeträger müssen für den AVGS nach AZAV § 45 zugelassen sein, was nicht identisch mit der Zulassung nach § 81 ist. Wenn Sie sich für längerfristige Qualifizierungen interessieren, lohnt ein Blick in unseren Ratgeber zum Bildungsgutschein 2026.

Die Reichweite Akademie ist als AZAV-zertifizierter Bildungsträger auf AVGS-gefördertes Einzelcoaching spezialisiert — von der ersten Beratung bis zur Einlösung des Gutscheins begleiten wir Sie durch den gesamten Prozess. Ein wesentlicher Vorteil des AVGS: Sofern Ihre Vermittlungsfachkraft vor Teilnahmebeginn schriftlich zustimmt, trägt die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kosten der Maßnahme zu 100 Prozent. Für Sie als Teilnehmer entstehen keine Gebühren.

Die drei AVGS-Varianten: MAT, MPAV und MAG

Bevor Sie einen AVGS beantragen, sollten Sie wissen, welche Variante zu Ihrem Ziel passt. Der Gesetzgeber unterscheidet drei Formen, die sich in Inhalt, Dauer und Antragsweg unterscheiden. Die richtige Wahl beeinflusst auch, wie Ihr Begründungstext aufgebaut sein sollte.

AVGS-MAT: Coaching und Kurse beim Träger

Der AVGS-MAT (Maßnahmen bei einem Träger) ist die häufigste Variante für Einzelcoaching. Damit finanzieren Sie ein AVGS Coaching bei einem zertifizierten Bildungsträger — etwa Bewerbungscoaching, Jobcoaching oder Orientierungsberatung. Diese Maßnahmen werden bis zu acht Wochen gefördert. Die Inhalte müssen laut den Fachlichen Weisungen der BA an mindestens zwei Tagen pro Woche erbracht werden — auch bei Online-Formaten wie virtuellem Klassenzimmer oder Videotelefonie.

AVGS-MPAV: private Arbeitsvermittlung

Der AVGS-MPAV richtet sich an private Arbeitsvermittlungen, die Sie aktiv in eine Beschäftigung vermitteln. Diese Variante ist besonders, weil auf sie ein gesetzlicher Rechtsanspruch besteht: ALG-I-Empfänger, die innerhalb der letzten drei Monate mindestens sechs Wochen arbeitslos gemeldet und noch nicht vermittelt wurden, haben nach § 45 Abs. 7 SGB III Anspruch. Die Vergütung des Vermittlers beträgt 2.500 Euro, bei Langzeitarbeitslosen und behinderten Menschen bis zu 3.000 Euro. Ausgezahlt wird gestaffelt: 1.250 Euro nach sechswöchiger, der Rest nach sechsmonatiger versicherungspflichtiger Beschäftigung von mindestens drei Monaten Dauer (§ 45 Abs. 6 SGB III).

AVGS-MAG: Maßnahmen beim Arbeitgeber

Der AVGS-MAG ermöglicht Maßnahmen direkt beim Arbeitgeber, zum Beispiel Praktika zur Erprobung. Solche Maßnahmen dauern in der Regel sechs Wochen, bis zu zwölf Wochen sind möglich. Sie eignen sich hervorragend, wenn Sie in ein neues Berufsfeld schnuppern oder einen konkreten Arbeitgeber von sich überzeugen wollen — gerade für Quereinsteiger ein wertvoller Türöffner.

Beispiel: Markus, 44, war zwei Jahre arbeitslos und möchte in die Logistik wechseln. Für ihn ist ein AVGS-MAG ideal: Ein sechswöchiges Praktikum bei einem Speditionsunternehmen zeigt seine Zuverlässigkeit in der Praxis — häufig der überzeugendste Bewerbungsbeleg.

Wer kann den AVGS beantragen? Voraussetzungen und Personengruppen

Die Grundvoraussetzung, um einen AVGS beantragen zu können, ist überraschend niedrig: Sie müssen arbeitssuchend gemeldet sein. Der Bezug von Arbeitslosengeld I ist ausdrücklich keine Bedingung. Das öffnet die Förderung für weit mehr Menschen, als viele annehmen.

Ermessensleistung versus Rechtsanspruch

Für die meisten Antragsteller ist der AVGS eine Ermessensleistung — die Behörde entscheidet im Einzelfall. Genau deshalb ist der Begründungstext so entscheidend. Die einzige Ausnahme ist der bereits erwähnte AVGS-MPAV: Hier haben ALG-I-Empfänger nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit einen gesetzlichen Anspruch nach § 45 Abs. 7 SGB III. Bei allen anderen Varianten gilt: Sie müssen überzeugen, nicht einfach nur anspruchsberechtigt sein.

Diese Gruppen können profitieren

Neben klassisch Arbeitslosen können auch Berufsrückkehrer, Erwerbsaufstockende, Hochschulabsolventen und angehende Gründer nach Ermessen des Jobcenters oder der Agentur für Arbeit einen AVGS erhalten. Voraussetzung bleibt die arbeitssuchende Meldung. Auch Menschen, die nach einer längeren Pause zurück ins Berufsleben wollen — etwa beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit — kommen infrage. Wer sich grundlegend neu ausrichten möchte, findet in der beruflichen Neuorientierung weitere Ansatzpunkte.

Sonderfall Sperrzeit

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Sperrzeit. Wer selbst gekündigt hat und deshalb eine Sperrfrist erhält, kann trotzdem einen AVGS bekommen — vorausgesetzt, die arbeitslose Meldung liegt vor. Die Sperrzeit betrifft die Geldleistung, nicht zwingend die Aktivierungsförderung. Wie die Sperrzeit genau wirkt, erklären wir im Ratgeber zur Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie zur berechtigten Gruppe gehören, klären wir das gern in einem kostenlosen Erstgespräch. Die Reichweite Akademie prüft mit Ihnen Ihre Ausgangslage und zeigt, welche Variante am besten passt.

Den AVGS beantragen: Schritt-für-Schritt-Ablauf

Der Weg zum bewilligten Gutschein folgt einem klaren Ablauf. Wer die Reihenfolge kennt, vermeidet die häufigsten Verzögerungen und kann den AVGS Antrag gezielt vorbereiten.

Schritt 1: Vorberatung und Angebot einholen

Bevor Sie zur Agentur für Arbeit oder zum Jobcenter gehen, sollten Sie ein konkretes Angebot eines Maßnahmeträgers in der Hand haben. Ein zertifizierter Träger stellt Ihnen dieses Angebot in der Regel kostenlos aus. Es enthält die Maßnahmebezeichnung, Dauer, Inhalte und die Trägerzulassung nach AZAV § 45. Dieses Dokument ist ein wichtiger Beleg, dass Ihr Vorhaben konkret und förderfähig ist.

Schritt 2: Antrag stellen und Begründung einreichen

Den Förderantrag bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter stellen Sie persönlich bei Ihrer Vermittlungsfachkraft; für den AVGS-MPAV ist teils auch das Online-Portal nutzbar. Zusammen mit dem Antrag reichen Sie Ihren Begründungstext und das Trägerangebot ein. Die Fachkraft prüft, ob die Maßnahme geeignet und notwendig ist, um Ihre Eingliederungschancen zu verbessern.

Schritt 3: Bewilligungsbescheid abwarten

Entscheidend ist: Die Zustimmung muss vor Teilnahmebeginn schriftlich vorliegen — erst der Bewilligungsbescheid sichert die 100-prozentige Kostenübernahme. Beginnen Sie eine Maßnahme vorher, riskieren Sie, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Beachten Sie außerdem die Neutralitätspflicht nach § 45 Abs. 4 SGB III: Ihre Vermittlungsfachkraft darf Ihnen keine bestimmten Träger empfehlen. Die Trägerwahl liegt allein bei Ihnen.

Nach der Bewilligung informieren Sie den Träger, der die Maßnahme innerhalb der Gültigkeitsfrist startet. Einen detaillierten Überblick über den weiteren Verlauf finden Sie in unserem Ratgeber zum Ablauf des AVGS Coachings.

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Unsicher beim Antrag? Wir begleiten Sie

Von der Vorberatung über das Trägerangebot bis zum Begründungstext — die Reichweite Akademie unterstützt Sie durch den gesamten AVGS-Prozess. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.

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Den Begründungstext schreiben: Aufbau, Inhalt und Muster

Hier entscheidet sich Ihr Antrag. Einen guten AVGS Begründungstext schreiben heißt, drei Kernfragen glasklar und konkret zu beantworten. Je präziser Sie Ihre Situation schildern, desto leichter kann die Fachkraft die Notwendigkeit der Maßnahme nachvollziehen — und desto höher Ihre Bewilligungschance.

Was muss im AVGS Begründungstext stehen?

Ihr Text sollte drei Blöcke abdecken. Erstens die Ausgangslage: Wie ist Ihre aktuelle berufliche Situation, seit wann sind Sie arbeitssuchend, welche Qualifikationen bringen Sie mit? Zweitens der konkrete Bedarf und Ihre Vermittlungshemmnisse: Woran scheitert die Vermittlung bislang — fehlende Bewerbungsstrategie, veraltete Unterlagen, unklare berufliche Richtung, mangelnde digitale Kenntnisse? Drittens das Maßnahmeziel: Was genau soll das Coaching bewirken und wie hilft es Ihnen messbar bei der Rückkehr in Arbeit?

AVGS Muster Begründung: Mustergliederung

Bewährt hat sich folgender Aufbau: Betreff mit Nennung von § 45 SGB III und der gewünschten Maßnahme, kurze Nennung Ihres Anliegens, der dreiteilige Begründungstext (Ausgangslage — Bedarf — Ziel), Verweis auf die Anlagen (Trägerangebot, ggf. Lebenslauf). Halten Sie den Text sachlich und persönlich zugleich: eine halbe bis eine Seite reicht völlig.

Formulierungsbeispiele

Für ein Jobcoaching: „Seit acht Monaten bin ich arbeitssuchend gemeldet. Meine bisherigen Bewerbungen blieben ohne Einladung, da meine Unterlagen nicht auf aktuelle Anforderungen zugeschnitten sind und mir eine klare Bewerbungsstrategie fehlt. Das beantragte Jobcoaching soll meine Unterlagen professionalisieren, meine Zielbranche schärfen und mich auf Vorstellungsgespräche vorbereiten, um meine Vermittlungschancen konkret zu erhöhen.“

Für ein Gründungscoaching: „Ich bin arbeitssuchend gemeldet und plane den Schritt in die Selbstständigkeit als Grafikdesignerin. Mir fehlen jedoch fundierte Kenntnisse in Buchhaltung, Rechnungswesen und Businessplanung. Das Gründungscoaching soll mich befähigen, ein tragfähiges Geschäftskonzept zu erstellen und den Gründungszuschuss vorzubereiten.“

Was scheitert? Zu allgemeine Sätze wie „Ich möchte mich weiterbilden“ ohne erkennbaren Bedarf. Die Fachkraft muss verstehen, warum gerade diese Maßnahme jetzt nötig ist.

Fristen, Gültigkeitsdauer und Maßnahmefrequenz

Ein bewilligter AVGS ist kein Freifahrtschein auf unbestimmte Zeit. Es gelten klare Fristen, die Sie einhalten müssen, damit die Kostenübernahme greift.

Gültigkeitsdauer des Gutscheins

Die Gültigkeitsdauer legt die ausstellende Behörde individuell fest — üblich sind drei bis sechs Monate ab Ausstellungsdatum. Wichtig für die Planung: Die Maßnahme muss innerhalb der Gültigkeitsfrist angetreten werden. Das Ende der Maßnahme darf hingegen außerhalb dieser Frist liegen. Wenn Ihr Gutschein also im März gültig wird und ein achtwöchiges Coaching startet, ist das unproblematisch, auch wenn die letzten Termine erst nach Fristablauf stattfinden.

Förderdauer je Variante

Die maximale Förderdauer hängt vom Typ ab: AVGS-MAT-Coachings und Qualifizierungen werden bis zu acht Wochen gefördert. AVGS-MAG-Maßnahmen beim Arbeitgeber dauern in der Regel sechs Wochen, bis zu zwölf Wochen sind möglich. Planen Sie Ihre Maßnahme realistisch innerhalb dieser Rahmen — ein überzeugendes Coaching muss nicht das Maximum ausschöpfen, sollte aber genug Zeit für spürbare Fortschritte lassen.

Mindestfrequenz laut BA-Weisungen

Ein Detail, das viele übersehen: Laut den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur für Arbeit müssen die Maßnahmeinhalte innerhalb des bewilligten Zeitraums an mindestens zwei Tagen pro Woche erbracht werden. Diese Vorgabe gilt ausdrücklich auch für Online-Maßnahmen, etwa im virtuellen Klassenzimmer oder per Videotelefonie. Ein seriöser Träger stellt sicher, dass Ihr Coaching diese Frequenz erfüllt — achten Sie darauf schon bei der Auswahl.

Kosten, Vergütung und Kostenerstattung

Für Sie als Teilnehmer ist die wichtigste Nachricht: Ein AVGS-Coaching kostet Sie nichts. Trotzdem lohnt der Blick hinter die Kulissen, damit Sie verstehen, wie die Finanzierung funktioniert.

100 Prozent Kostenübernahme

Nach dem Bewilligungsbescheid trägt die Bundesagentur für Arbeit beziehungsweise das Jobcenter die Kosten der Maßnahme vollständig. Es gibt keine Eigenbeteiligung und keine versteckten Gebühren. Voraussetzung bleibt allein die vorherige schriftliche Zustimmung der Vermittlungsfachkraft.

Vergütung bei AVGS-MPAV

Anders als beim Träger-Coaching ist die Vergütung bei der privaten Arbeitsvermittlung gesetzlich fixiert. Der Vermittler erhält 2.500 Euro, bei Langzeitarbeitslosen und behinderten Menschen bis zu 3.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt gestaffelt: 1.250 Euro nach sechswöchiger Beschäftigung, der Restbetrag nach sechsmonatiger Beschäftigungsdauer. Die vermittelte Stelle muss versicherungspflichtig und auf mindestens drei Monate angelegt sein (§ 45 Abs. 6 SGB III). Für Sie als vermittelte Person entsteht auch hier keine Zahlungspflicht.

Fahrt- und Kinderbetreuungskosten

Unter bestimmten Voraussetzungen können Fahrtkosten und Kinderbetreuungskosten erstattet werden, wenn sie durch die Maßnahmeteilnahme entstehen. Sprechen Sie das aktiv bei Ihrer Vermittlungsfachkraft an — diese Nebenleistungen werden nicht automatisch gewährt. Anders als beim Bildungsgutschein ist die Vergütung für ein AVGS-MAT-Coaching übrigens nicht gesetzlich fixiert, sondern ergibt sich aus der individuellen Vereinbarung mit dem Träger.

100 %
Kostenübernahme durch BA/Jobcenter bei bewilligtem AVGS
2.500 €
Standardvergütung private Arbeitsvermittlung (AVGS-MPAV)
bis 8 Wochen
Maximale Förderdauer für AVGS-MAT-Coachings

AVGS online und AVGS für Existenzgründer

Zwei Fragen tauchen besonders häufig auf: Kann ich das Coaching auch von zu Hause machen? Und komme ich als angehender Gründer an einen AVGS? Beide Antworten sind erfreulich.

AVGS Coaching online — geht das?

Ein AVGS Coaching online ist zulässig, wenn der Träger für digitales Coaching nach AZAV zertifiziert ist. Für die Kostenübernahme macht es keinen Unterschied, ob das Coaching in Präsenz oder per Video-Call stattfindet. Die eingangs genannte Mindestfrequenz von zwei Tagen pro Woche gilt auch online. Gerade wenn Sie Betreuungspflichten haben, weit vom nächsten Träger entfernt wohnen oder ortsunabhängig arbeiten möchten, ist das Online-Format ein echter Vorteil. Tipps für den souveränen Auftritt im digitalen Gespräch finden Sie in unserem Ratgeber zum Online-Vorstellungsgespräch.

AVGS für Existenzgründer

Auch als angehender Gründer können Sie einen AVGS beantragen, sofern Sie arbeitssuchend gemeldet sind. Ein Gründungscoaching vermittelt Ihnen betriebswirtschaftliches Handwerkszeug: Buchhaltung, Rechnungswesen, Marktanalyse und die Erstellung eines tragfähigen Businessplans. Häufig dient es zugleich der Vorbereitung auf den Gründungszuschuss. Wie dieser funktioniert, lesen Sie im Ratgeber zum Gründungszuschuss 2026.

Beispiel: Von der Idee zum Konzept

Nina, 38, will nach ihrer Arbeitslosigkeit eine Onlineberatung aufbauen. Ihr Begründungstext benennt konkret, dass ihr betriebswirtschaftliches Wissen fehlt und sie ihren Businessplan nicht allein erstellen kann. Mit einem AVGS-geförderten Gründungscoaching schließt sie diese Lücke — und legt zugleich die Basis für ihren Antrag auf Gründungszuschuss.

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Was tun bei Ablehnung?

Eine Ablehnung ist kein Endpunkt. Weil der AVGS eine Ermessensleistung ist, hängt viel von der Nachvollziehbarkeit Ihrer Darstellung ab — und die lässt sich in einem zweiten Anlauf oft deutlich verbessern.

Recht auf schriftliche Begründung

Wird Ihr Antrag abgelehnt, haben Sie Anspruch auf eine schriftliche Begründung. Lesen Sie diese genau: Sie verrät, welcher Baustein gefehlt hat. War der Bedarf nicht klar erkennbar? Fehlte der Bezug zwischen Maßnahme und Ihrem Vermittlungshemmnis? War das Ziel zu vage? Diese Punkte sind Ihre Landkarte für den Neuantrag.

Nachfragen und nachbessern

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Vermittlungsfachkraft und fragen Sie konkret, was zur Nachvollziehbarkeit Ihrer Situation fehlt. Häufig sind es Kleinigkeiten — eine präzisere Schilderung der Ausgangslage, ein konkreteres Maßnahmeziel oder ein aussagekräftigeres Trägerangebot. Ein Neuantrag mit verbessertem Begründungstext ist jederzeit möglich.

Dranbleiben lohnt sich

Ein Erfahrungswert aus der Praxis: Nicht selten wird ein AVGS erst beim zweiten oder dritten Versuch bewilligt. Lassen Sie sich von einer ersten Ablehnung nicht entmutigen — sie bedeutet meist nicht, dass Sie nicht berechtigt sind, sondern dass Ihre Begründung noch klarer werden muss. Wenn der Druck der Jobsuche insgesamt zu groß wird, hilft unser Ratgeber zur Überforderung bei der Jobsuche weiter.

Die Reichweite Akademie unterstützt Sie dabei, aus einer Ablehnung einen erfolgreichen Zweitantrag zu machen. Gemeinsam schärfen wir Ihren Begründungstext genau an den Stellen, die die Behörde vermisst hat.

Zweiter Anlauf mit System

Antrag abgelehnt? Wir stärken Ihre Begründung

Wir analysieren mit Ihnen die Ablehnungsgründe und formulieren Ihren Begründungstext neu — konkret, zielgerichtet und nachvollziehbar. Starten Sie Ihren Neuantrag mit Rückenwind.

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Key Takeaway

Der AVGS ist eine Ermessensleistung — Ihr Begründungstext entscheidet über die Bewilligung. Wer Ausgangslage, konkrete Vermittlungshemmnisse und ein messbares Maßnahmeziel klar benennt, überzeugt die Vermittlungsfachkraft weit eher als mit allgemeinen Absichtserklärungen. Nutzen Sie die Formulierungshilfe und lassen Sie sich bei Bedarf begleiten — auch nach einer Ablehnung ist ein Neuantrag jederzeit möglich.

Häufige Fragen

Grundvoraussetzung ist, dass Sie arbeitssuchend gemeldet sind — der Bezug von Arbeitslosengeld I ist nicht zwingend erforderlich. Neben klassisch Arbeitslosen können auch Berufsrückkehrer, Erwerbsaufstockende, Hochschulabsolventen und angehende Gründer nach Ermessen der Behörde einen AVGS erhalten. Entscheidend ist die arbeitssuchende Meldung bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter.

Der AVGS ist grundsätzlich eine Ermessensleistung, es besteht also kein allgemeiner Rechtsanspruch. Eine Ausnahme bildet der AVGS-MPAV: ALG-I-Empfänger, die innerhalb der letzten drei Monate mindestens sechs Wochen arbeitslos gemeldet und noch nicht vermittelt wurden, haben nach § 45 Abs. 7 SGB III einen gesetzlichen Anspruch. Bei allen anderen Varianten kommt es auf Ihre Begründung an.

Ihr Begründungstext sollte drei Kernfragen beantworten: Ihre Ausgangslage (berufliche Situation, Dauer der Arbeitssuche, Qualifikationen), Ihren konkreten Bedarf beziehungsweise Ihre Vermittlungshemmnisse und Ihr klares Maßnahmeziel. Formulieren Sie konkret und persönlich statt allgemein — die Vermittlungsfachkraft muss nachvollziehen können, warum gerade diese Maßnahme jetzt nötig ist. Eine halbe bis eine Seite reicht aus.

Die Gültigkeitsdauer legt die ausstellende Behörde individuell fest; üblich sind drei bis sechs Monate ab Ausstellungsdatum. Die Maßnahme muss innerhalb dieser Gültigkeitsfrist angetreten werden. Das Ende der Maßnahme darf hingegen außerhalb der Frist liegen — ein achtwöchiges Coaching, das rechtzeitig startet, ist also unproblematisch.

Nichts. Bei einem bewilligten AVGS trägt die Bundesagentur für Arbeit beziehungsweise das Jobcenter die Kosten zu 100 Prozent. Voraussetzung ist, dass die Vermittlungsfachkraft vor Teilnahmebeginn schriftlich zugestimmt hat. Beginnen Sie die Maßnahme erst nach Erhalt des Bewilligungsbescheids.

Ja. Ein AVGS-Coaching online ist zulässig, wenn der Träger für digitales Coaching nach AZAV zertifiziert ist. Für die Kostenübernahme macht es keinen Unterschied, ob das Coaching in Präsenz oder per Video-Call stattfindet. Auch online gilt die Mindestfrequenz von zwei Tagen pro Woche laut den Fachlichen Weisungen der BA.

Ja, sofern Sie arbeitssuchend gemeldet sind. Ein Gründungscoaching vermittelt Ihnen Kenntnisse in Buchhaltung, Rechnungswesen und Businessplanung und kann zugleich der Vorbereitung auf den Gründungszuschuss dienen. Im Begründungstext sollten Sie konkret benennen, welches betriebswirtschaftliche Wissen Ihnen für den Schritt in die Selbstständigkeit fehlt.

Der AVGS-MAT finanziert Coachings und Kurse bei einem zertifizierten Träger und wird bis zu acht Wochen gefördert. Der AVGS-MPAV richtet sich an private Arbeitsvermittlungen und ist die einzige Variante mit gesetzlichem Rechtsanspruch. Der AVGS-MAG ermöglicht Maßnahmen direkt beim Arbeitgeber, etwa Praktika, in der Regel für sechs, maximal zwölf Wochen.

Sie haben Anspruch auf eine schriftliche Begründung der Ablehnung. Lesen Sie diese genau, fragen Sie bei Ihrer Vermittlungsfachkraft nach, was zur Nachvollziehbarkeit gefehlt hat, und stellen Sie einen Neuantrag mit verbessertem Begründungstext. In der Praxis wird ein AVGS nicht selten erst beim zweiten oder dritten Versuch bewilligt — Dranbleiben lohnt sich.

Ja. Der Bezug von Arbeitslosengeld I ist keine Voraussetzung für den AVGS. Auch Personen innerhalb einer Sperrfrist — etwa nach eigener Kündigung — können einen AVGS erhalten, wenn sie sich arbeitslos gemeldet haben. Die Sperrzeit betrifft die Geldleistung, nicht zwingend die Aktivierungsförderung.

Das hängt von der Variante ab. AVGS-MAT-Coachings und Qualifizierungen werden bis zu acht Wochen gefördert. AVGS-MAG-Maßnahmen beim Arbeitgeber dauern in der Regel sechs Wochen, bis zu zwölf Wochen sind möglich. Die Inhalte müssen an mindestens zwei Tagen pro Woche erbracht werden.

Maßnahmeträger müssen nach AZAV § 45 zugelassen sein — diese Zulassung ist nicht identisch mit der AZAV-Zulassung nach § 81, die für den Bildungsgutschein gilt. Für Online-Coaching muss der Träger zusätzlich für das digitale Format zertifiziert sein. Achten Sie bei der Trägerwahl auf diese Zulassungen; die Reichweite Akademie erfüllt sie als AZAV-zertifizierter Bildungsträger.

Weiterführend hilfreich sind unsere Ratgeber zum Ablauf des AVGS Coachings, zum Bildungsgutschein 2026 und zur beruflichen Neuorientierung. Rechtshinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Maßgeblich sind die gesetzlichen Regelungen und die Entscheidung Ihrer zuständigen Vermittlungsfachkraft im Einzelfall.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesagentur für Arbeit: Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) offiziell
  2. Bundesagentur für Arbeit: AVGS private Arbeitsvermittlung
  3. Bundesagentur für Arbeit: Fachliche Weisungen MAT nach § 45 SGB III (PDF)
  4. gesetze-im-internet.de: § 45 SGB III – Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
  5. selbststaendigkeit.de: AVGS Anspruch und Voraussetzungen
  6. avgs-coaching.team: AVGS beantragen inkl. Muster
  7. karrierebibel.de: Vermittlungsgutschein Tipps
  8. gfn.de: AVGS Informationen

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Rechts- oder Sozialberatung. Rechtliche Regelungen können sich ändern; die hier dargestellten Angaben entsprechen dem Stand vom 6. Juli 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an die zuständige Stelle.